Ein Nutzer erhält eine E-Mail, die zu einer scheinbar legitimen App führt. Er meldet sich an, sieht einen Zustimmungsdialog, klickt auf „Zulassen" – und gewährt einer fremden Anwendung dauerhaften Lesezugriff auf sein Postfach. Kein gestohlenes Passwort, keine Malware. Der einzige „Angriff" davor ist eine überzeugende Phishing-Seite und ein unbedachter Klick.

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Dieses Muster heißt Consent-Phishing (auch „illicit consent grant"). Es nutzt keinen Fehler in Entra ID aus, sondern einen vorgesehenen Mechanismus – die OAuth-Delegation. Genau das macht es so schwer zu erkennen.

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Warum ein einzelner Nutzer reicht

In vielen Tenants darf ein normaler Nutzer ohne Admin-Rechte einer neuen, externen App Zugriff gewähren. Bittet sie um Mail.Read, kann der Angreifer anschließend das komplette Postfach lesen – ganz ohne Administrator.

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Der eigentliche Verstärker ist offline_access. Dieser Scope liefert einen Refresh-Token, mit dem die App ihren Zugriff selbstständig erneuert: Aus einer einmaligen Zustimmung wird dauerhafter Zugriff. Die Kombination aus sensiblem Scope und offline_access ist der Sprengstoff, nicht der einzelne Klick.

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Wie so ein Dialog aussieht, lässt sich gut an der ChatGPT-App von OpenAI zeigen, die unter anderem Mail.Read anfragt. Die App selbst ist völlig harmlos und dient hier nur zur Veranschaulichung – aber genau bei solchen Zustimmungsdialogen lohnt sich der zweite Blick. Der real beobachtete Angriff lief nach demselben Schema ab, nur eben mit einer bösartigen App.

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Die Spur liegt im Audit-Log

Die Spuren des Angriffs liegen im Entra-ID-Audit-Log – in zwei Events mit derselben CorrelationId: Add service principal (die externe App wird im Tenant angelegt) und Consent to application (der Nutzer stimmt zu, erkennbar an IsAdminConsent = False und den gewährten Scopes).

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Erst beide zusammen ergeben das Bild: eine neue, externe App, der ein einzelner Nutzer ohne Admin-Freigabe Zugriff aufs Postfach gewährt hat.

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Diese Berechtigungen stehen im Visier

Diese Scopes geben direkten Zugriff auf sensible Daten und sind entsprechend begehrt. Ob ein normaler Nutzer sie gewähren kann, hängt allein von der Consent-Einstellung des Tenants ab (dazu gleich mehr):

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  • E-Mail: Mail.Read, Mail.ReadWrite, Mail.Read.Shared, MailboxSettings.ReadWrite

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  • Dateien: Files.Read.All, Files.ReadWrite.All, Sites.Read.All, Sites.ReadWrite.All

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  • Kalender & Chats: Calendars.ReadWrite, Chat.Read, Chat.ReadWrite

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  • Besprechungen: OnlineMeetings.Read, OnlineMeetings.ReadWrite

Mitigation: die drei Consent-Einstellungen

  • „Do not allow user consent" – am sichersten: jede Zustimmung braucht Admin-Freigabe. Maximale Kontrolle, maximaler Aufwand.

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  • „Allow user consent for apps from verified publishers, for selected permissions" – Microsofts Empfehlung. Nur verifizierte Herausgeber und nur „low impact"-Scopes (openid, profile, email, offline_access, User.Read).

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  • „Allow user consent for all apps" – die riskanteste: Jeder darf fast jeder App nahezu jede Berechtigung gewähren. Neue Tenants sind inzwischen restriktiver, offene werden seit 2025 automatisch abgesichert – trotzdem prüfen, wo der eigene steht.

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Warum es beide Ebenen braucht

Endpoint-Telemetrie ist unverzichtbar – aber ein Angriff, der über einen legitimen OAuth-Consent läuft, erzeugt auf dem Gerät schlicht kein Signal. Diese Spuren entstehen auf der Identity-Ebene, im Entra-ID-Audit-Log.

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Genau die deckt das Active Cyber Defense Center (ACDC) rund um die Uhr ab und ergänzt damit die Endpoint-Überwachung – damit aus einem unbedachten Klick kein stiller Datenabfluss wird.

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